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Verein zur Wasserversorgung der Viehhausen-Bergmattinger-Gruppe

Der Verein zur Wasserversorgung der Viehhausen-Bergmattinger-Gruppe entstand etwa in den Jahren 1908 -1910, in einer Zeit in der im Königreich Bayern der Wert einer hygienischen und bequemen Wasserversorgung erkannt und in die Tat umgesetzt wurde.
Unter Federführung des königlichen Bezirksamtes Stadtamhof und mit Unterstützung des königl. Wasserversorgungsbureaus München schlossen sich die damaligen Gemeinden

  • Bergmatting mit Dürnstetten, Reichenstetten, Mahd und Rosengarten
  • Lohstadt mit Gundelshausen
  • Eichhofen mit Thumhausen und Obereinbuch
  • Poikam
  • Eilsbrunn mit Hardt und Grafenried
  • Schönhofen mit Untereinbuch, Zeiler und Kühschlag
  • Haugenried mit Irgertshofen und Viergstetten
  • Viehhausen mit Adlstein, Alling, Finsterthal, Kohlstadt, Niederviehhausen,
  • Saxberg, Schneckenbach, Thalhof und Zeilerhäusl
  • Herrnsaal und
  • Kapfelberg mit Schultersdorf und Lindach

zum Wasserversorgungsverein zusammen.

Das kgl. Bezirksamt in Stadtamhof plante die Anlage. Die zum Teil sehr genauen Pläne, die in mühseliger Detailarbeit gezeichnet und koloriert wurden, sind noch vorhanden und einige davon im Verbandsgebäude an der Wand zu sehen.

In einer ersten Bauphase wurde 1910/11 ein Haupthochbehälter in Haugenried (518m über dem Meeresspiegel) mit einem Fassungsvermögen von 200m³ gebaut, 1914 mit zusätzlichen 19.000RM auf 400m³ erweitert.

Daneben wurden 5 Nebenbehälter mit ca. je 50m³ Fassungsvermögen in Eilsbrunn, Bergmatting, Kapfelberg, Poikam und Herrnsaal gebaut. Die Rohrlänge betrug anfangs 54 km, die Länge der Hausanschlüsse betrug ca. 9 km bei 490 Anschlüssen. Der Verbrauch war anfänglich bei täglich 280m³.

Das Wasserwerk wurde in Alling gebaut. Es bestand aus dem Betriebsgebäude und der Wärterwohnung (Sitz des Wasserwerkmeisters). Im Betriebsgebäude befanden sich die Pumpanlagen, die über eine Transmission von einem 30 PS Dieselmotor angetrieben wurden, eine Werkstatt und ein Lager. Als zweites Gebäude wurde ein Wohnhaus für den Wassermeister errichtet. Gegenüber vom Wasserwerk befanden sich drei Brunnen mit je 43 m Tiefe, von denen jedoch einer zuwenig Wasser führte. Gepumpt wurde nur aus einem Brunnen, einer blieb „eiserne Reserve“. Die Pumpleistung betrug je ca. 50m³/Stunde.

Die Gesamtkosten für die Versorgungsanlage sind nicht mehr bekannt. Jedoch sind noch „Meßanerkenntnisse“ vorhanden. Heute würde man zu diesen Urkunden Aufmaßblätter zur Abrechnung sagen. Diese Meßanerkenntnisse wurden von der Bauaufsicht (dies war der königliche Bauführer Strehl) und den bauausführenden Firmen erstellt und vom kgl. Bezirksamt Stadtamhof überprüft und zur Zahlung dem Verein übergeben. Aus diesen detaillierten Unterlagen ergeben sich folgende Einzelkosten:

Hochbehälter 200m³ Haugenried 9.964,31 RM
Hochreservoir Schultersdorf und Kapfelberg 2.662,08 RM
Hochreservoir Herrnsaal 2.790,40 RM
Hochreservoir Schönhofen und Eilsbrunn 4.163,25 RM
Rohrgraben allg. 112.833,96 RM
Rohrleitungen 179.336,58 RM
Erweiterung Eilsbrunn 831,51 RM
Anschluß Kelheim-Nord 1.192,42 RM
Erweiterung Kapfelberg-Ziegelstadt 5.453,46 RM
Erweiterung Reichenstätten 883,21 RM
Erweiterung Irgertshofen und Hardt 1.422,98 RM
Verlängerung Irgertshofen 309,85 RM
Erweiterung Schönhofen 4.086,97 RM
Erweiterung allg. 1.932,75 RM
Erweiterung Lohstadt 130,22 RM
Erweiterung Öllager 1.470,84 RM
Pumpwerksanlagen Hochbau 43.082,77 RM
Pumpwerksanlagen Fernmelder 3.034,90 RM
Wärterwohnung 9.647,58 RM


Für die Errichtung der Anlage musste der Verein verschiedene Grundstücke erwerben. Als Urkunden sind von einigen Grundstücken noch „Auszüge aus dem renovierten Grundsteuer-Kataster des kgl. Rentamtes“ vorhanden.
Hier exemplarisch einige Grunderwerbungen:

  • „Wohnhaus,Wasserwerk, Werkstätten“ in Alling, 1900m², abgetreten für 920 RM von Johann und Regina Gaberger am 27.1.1912;
  • „Brunnenschächte in Alling“, 3121m², abgetreten für 2275 RM von Georg und Kathi Poschenrieder aus Alling im März 1912;
  • „Beim Hochreservoir“ in Haugenried, 2260m², erworben für 264 RM von Wilfried Neuffer aus Eichhofen am 13.9.1923;
  • „Wasserreserve“ in Bergmatting, 400m², abgetreten für 96 RM von Georg und Marvin Strobl aus Bergmatting am 23.7.1912;
  • „Hochreservoir“ in Eilsbrunn, 540m², erworben von Peter und Margarethe Meier aus Eilsbrunn für 80 RM am 5.9.1913;
  • „Wasserreserve“ in Herrnsaal, 320m², gekauft von der Gemeinde Herrnsaal für 36 RM am 13.2.1912;
  • „Wasserreserve“ in Poikam, 330m², erworben von der Gemeinde Poikam für 40 RM am 3.2.1912;
  • „Wasserreserve“ in Kapfelberg, 360m², gekauft von Simon und Katharina Eichhammer für 132 RM am 3.2.1912;

Die gesamte Baumaßnahme kostete ca. eine halbe Million Reichsmark. Eine für damalige Verhältnisse unglaublich hohe Summe. Wie dieser Betrag vom Verein aufgebracht wurde, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Insbesondere sind über einen Zuschuss aus der Residenzstadt keine Unterlagen vorhanden.

Den damals beteiligten kgl. Beamten, nämlich

  • Regierungsrat Müller, Vorstand des Beziksamtes Stadtamhof
  • Bauamtmann Blumrich, Wasserversorgungsbureau München
  • Bezirksamtmann Lieb aus Kelheim
  • Regierungsrat Aigner, Vorstand des Bezirksamtes Parsberg

widmete man zur Einweihung nicht nur eine wunderschöne Ehrenurkunde, die ebenfalls in Verbandsgebäude zu sehen ist, sonder auch ein Gedicht, das der Benefiziat von Viehhausen, Albert Bernhard, verfasst hat: