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Im Regensburger Anzeiger vom 17. Oktober 1911 war folgendes zu lesen:

Von der Laaber, 16.Oktbr. (Einweihung und Übergabe der neuen Wasserleitung) Der sonnige Tag des 5. Oktobers war Zeuge eines herrlichen Festes, das in Alling und Viehhausen begangen wurde, eines Festes, an dem nicht bloß die beiden genannten Ortschaften interessiert waren, sondern eine ganze Menge von näher und entfernter gelegenen Gemeinden: es war der Tag der Einweihung und der Uebergabe der großen Wasserleitung der Viehhausen-Bergmattinger Gruppe, die vor kurzem nach 18monatiger Bautätigkeit durch die beiden Firmen Brochier-Nürnberg und Bruckschlegel-Regensburg glücklich vollendet wurde und die für ungefähr 27 Ortschaften der Bezirksämter Stadtamhof, Kelheim und Parsberg ein Werk des Segens und des kulturell-wirtschaftlichen Fortschrittes von unschätzbarem Werte bedeutet. Bis 1/210 Uhr, dem Beginne der Feier, fanden sich bei der Pumpstation in Alling ein: die Vertreter der verschiedenen Aemter, Behörden und Gemeinden, der Ausschuß des Vereins zur Wasserversorgung, die Vertreter der Baufirmen, die Deputierten der am Fest teilnehmenden Vereine, die Schuljugend von Viehhausen und viele andere Festgäste. Wir bemerkten darunter den Gutsbesitzer von Eichhofen, Herrn Kommerzienrat Neuffer von Regensburg mit Frl. Tochter, Hrn. Reichstagsabgeordneten Steindl und den Vertreter des Bezirksfeuerwehrverbandes Stadtamhof, Herrn Hauptlehrer Schmidt von Schwabelweis. Nach einem einleitenden Festchor schritt Titl. Herr K. geistl. Rat Mathes von Eilsbrunn zur kirchlichen Einweihung der drei Quellen, um hierauf in einer der Feier des Tages entsprechenden Ansprache mit einem Blicke in Vergangenheit und Zukunft hinzuweisen auf die Bedeutung des entstandenen Werkes, auf den Zweck der kirchlichen Weihe und auf die Gefühle des Dankes, des Lobes und der Bitte, mit denen die Festteilnehmer im darauffolgenden Gottesdienste ihre Herzen zum Himmel erheben sollten. Es folgten dann passende Reden des Herrn Ingenieurs Blumerich vom Kgl. Wasserversorgungsbureau München, der als technischer Leiter des Ganzen die Pläne zu dem gewaltigen Projekte entworfen hatte, sodann des Herrn Bezirksamtsassessors Bernreuther von Stadtamhof; der als Vertreter des Kgl. Bezirksamtes Stadtamhof, und zugleich der hohen Kgl. Regierung der Oberpfalz erschienen war, des Herrn Kgl. Bezirksamtsassessors von Kelheim als Vertreter des dortigen Kgl. Bezirksamtes. Die Festrede hielt der 1. stellvertretende Vorstand des Wasserversorgungsvereins, Herr Hauptlehrer Lotter von Thumhausen. In beredter Weise schilderte er Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des großen Unternehmens, wies darauf hin, was Großes geschaffen werden kann, wenn Verständnis und Einigkeit in den Gemeinden herrschen, sprach den innigsten Dank aus den Kgl. Behörden für ihre wohlwollende Förderung, so dem um das Ganze so verdienstvollen Herrn Regierungsrat Müller von Stadtamhof, der leider an der schönen Feier nicht teilnehmen konnte, dem früheren Herrn Bezirksamtmann von Kelheim, nunmehrigen Herrn Regierungsrat Lieb von Ansbach, der ebenfalls an der Teilnahme verhindert war, dem früheren Herrn Bezirksamtmann Aigner von Parsberg, sowie dessen Amtsnachfolger Hrn. Bezirksamtmann Schreyer. Mit besonderem Danke gedachte der Herr Festredner der Fürsorge des bayerischen Staates im Hinblick auf die reichen Zuschüsse zu den Baukosten, um im Anschlusse daran in wirkungsvollster Weise zu betonen, wie viel im monarchisch regierten Staate für das Wohl des Volkes geschieht, und zu schließen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den geisen Prinzregenten. Nach Absingung der Königshymne wandte sich noch der Vorstand und Inspektor der Feuerwehren des Bezirkes Stadtamhof, Hr. Hauptlehrer Schmidt von Schwabelweis, an die Festversammlung, um in der ihm eigenen markigen Weise die Bedeutung der vollendeten Wasserleitung für das Feuerlöschwesen hervorzuheben und die Feuerwehren der Umgegend, die sämtlich mit Ihren Vereinsfahnen erschienen waren, aufs neue für ihre Aufgaben zu begeistern. Nach einem abermaligen Festchor setzte sich unter den Klängen der Musikkapelle Dobler-Hainsacker der Zug in Bewegung nach Viehhausen, um im Festgottesdienste Gott den schuldigen Tribut darzubringen und seinen Segen zu erflehen. Dabei kam durch mehrere festteilnehmende Herren und durch die junge Sängerabteilung des Viehhausener Burschenvereins unter der verständnisvollen Diskretion des Herrn Hauptlehrers Thumann eine vierstimmige Messe von Singenberger zur Ausführung. Der anschließende weltliche Teil der Feier vollzog sich im Gasthause des Herrn Joh. Schwindl, wo man sich an einem wohlzubereiteten Mahle und bei dem bekanntlich vorzüglichen hellen und dunklen Stoff aus der Brauerei Röhrl-Eilsbrunn von den vorausgegangenen Anstrengungen alsbald erholte. Mit den heiteren Weisen der Musik und mit frohen Liedervorträgen wechselten mannigfache Toaste, von denen nur mehr der des Herrn Reichstagsabgeordneten Steindl, der des Vertreters der Firma Brochier und jener des Herrn Bürgermeisters von Reichenstetten besonders erwähnt sein sollen. In die Prosa der Toaste mischte sich auch der Rythmus der Poesie in einem reizenden, von H. H. Benefiziaten Bernhardt verfaßten Gedichte, das mit stürmischem Applaus aufgenommen wurde. So war nur eine Stimme des Lobes über das herrliche Fest und der 5. Oktober 1911 wird einen bleibenden Markstein bilden in der Geschichte der Gemeinden, welche an die Wasserleitung der Viehhausen-Bergmattinger Gruppe angeschlossen sind. Auch an dieser Stelle sei zum Schlusse nochmals der innigste Dank ausgesprochen allen, welche sich um Entstehung und Ausführung des bedeutenden Unternehmens verdient gemacht haben: den Gemeinden, dem „Vater“ Staat für die finanzielle Beihilfe, insbesondere aber auch dem Herrn Regierungsrat Müller von Stadtamhof, der uns noch recht lange erhalten bleiben möge, dem nunmehrigen Herrn Regierungsrat Lieb von Ansbach, dem früheren Herrn Bezirksamtmann Aigner von Parsberg und seinem Amtsnachfolger Herrn Bezirksamtmann Schreyer; ferner dem technischen Leiter Herrn Ingenieur Blumerich-München, den ausführenden Firmen Brochier-Nürnberg und Bruckschlegel-Regensburg sowie ihrem ganzen Baupersonal, weiter dem Ausschuß des Wasserversorgungsvereins und last not least dem unermüdlich tätigen und rührigen 1. stellvertretenden Vorstand Herrn Hauptlehrer Lotter von Thumhausen. Sie alle haben zusammengearbeitet zur glücklichen Durchführung eines Projektes, von dem man mit einem Worte des römischen Dichters Horaz ohne Uebertreibung sagen kann: „Exegerunt monumentum aercperennius - Sie haben sich ein Denkmal gesetzt, das dauernder ist als Erz.“